Schmerzen erkennen und warum schnelles Handeln so wichtig ist
Viele Hundehalter sind überrascht, wenn sie erfahren, wie gut Hunde Schmerzen verstecken können. Umso wichtiger ist es, kleine Veränderungen im Verhalten und in der Bewegung ernst zu nehmen. Denn unbehandelte Schmerzen können nicht nur schlimmer werden – sie können sogar ein sogenanntes Schmerzgedächtnis auslösen. Dieses macht die Behandlung später viel schwerer.
Woran du erkennst, dass dein Hund Schmerzen hat
Schmerzen zeigen sich selten laut oder eindeutig. Meist äußern sie sich durch kleine, aber deutliche Veränderungen:
Bewegungsveränderungen
- Dein Hund springt nicht mehr aufs Sofa oder ins Auto.
- Treppensteigen wird vermieden, verlangsamt oder der Hund braucht Anlauf.
- Er schüttelt sich nicht mehr komplett durch.
- Er spielt weniger – weder mit dir noch mit anderen Hunden.
„Kleinigkeiten“ im Sitzverhalten
Auch der Sitz verrät sehr viel über den Bewegungsapparat:
- Rundrücken oder schiefer Sitz
- Knie nach innen/außen gedrückt
- Gestreckte Kniegelenke
- Kopf hängen lassen
- Entlasten einer Vorder- oder Hintergliedmaße
Diese Signale sollten immer ernst genommen werden und ja sie können auch angeeignet sein, weisen aber häufig auf orthopädische Probleme hin. Immer wenn du bemerkst das etwas anders ist als zuvor, dann beobachte es und lass es gegebenenfalls abklären. Aber wisch es nicht einfach weg.
Auffälliger Gang oder Krallenabnutzung
Kurze oder ungleichmäßige Schritte, Lahmheit, Humpeln. Gewichtsverlagerung auf eine Seite, Schleifspuren im Schnee/Sand oder hörbares Krallenschleifen, Krallen sind auf einer Seite stärker oder ungleichmäßig abgenutzt.
Verhaltensänderungen und körperliche Veränderungen
- Schmerz wirkt sich oft auf das Verhalten aus. Einige Hunde werden plötzlich aggressiv, weil Berührung oder Bewegung schmerzen. Andere ziehen sich zurück, wirken teilnahmslos oder haben plötzlich „keine Meinung mehr“.
- Auch Unruhe, vermehrtes Schlafen, verändertes Fressverhalten oder gesteigerte Empfindlichkeit gegenüber Berührungen sind wichtige Signale.
- Muskelatrophie ist ein weiteres Warnzeichen. Wenn du bemerkst, dass Muskelmasse an einem Bein abnimmt, deutet das meist auf Schonung hin. In manchen Fällen kann es auch neurologische Ursachen haben.
Was ist Schmerz eigentlich und warum ist schnelles Handeln so wichtig?
Schmerz ist eine Schutzfunktion des Körpers. Er alarmiert uns, wenn irgendwo etwas nicht in Ordnung ist. Das ist gut so. Problematisch wird es, wenn der Schmerz nicht verschwindet und das Nervensystem sich verändert. Dann spricht man von einem Schmerzgedächtnis. Dabei reagieren die Schmerzrezeptoren überempfindlich und melden Schmerzen auch bei schwachen oder gar keinen Reizen. Für den Hund ist dieser Schmerz echt. Er simuliert nicht. Wenn ein akuter Schmerz nicht behandelt wird, kann er chronisch werden. Aus einem einmaligen Ereignis entsteht ein Teufelskreis aus Schmerz, Verspannung und Bewegungseinschränkung. Je früher ein Schmerz fachkundig behandelt wird, desto besser sind die Chancen, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Schau genau hin.
Ziele einer sinnvollen Schmerztherapie
Beim Umgang mit Schmerzen geht es in erster Linie darum, die Lebensqualität des Hundes zu verbessern und ein Schmerzgedächtnis zu verhindern.
Wichtige Ziele sind:
- Ursachen finden und wenn möglich beseitigen
- Schmerzen zuverlässig lindern
- Beweglichkeit wiederherstellen oder erhalten
- Muskulatur stärken, um das zB Gelenk zu entlasten
- Lebensqualität steigern und Leiden reduzieren
Warum du früh handeln solltest
Viele Halter zögern, Schmerzmittel zu geben – aus Angst vor Nebenwirkungen.
Doch:
- Kurze Schmerzmittel-Gaben sind meist unproblematisch
- Ein unbehandelter Schmerz wird viel schneller chronisch
- Die Folge ist ein langer Leidensweg und oft sogar noch mehr Medikamente
- Ein Schmerzgedächtnis ist sehr schwer wieder zu therapieren
Darum: lasse deinen Hund nicht mit Schmerzen laufen.
Frühe Therapie = weniger Leid, höhere Lebensqualität, weniger Folgeschäden.
Welche Schritte sind sinnvoll wenn du Schmerzen vermutest?
Beobachten und notieren. Wann treten Probleme auf, bei welcher Bewegung? Gibt es wiederkehrende Muster? Mach evtl. Video die du vorzeigen kannst.
Beim Tierarzt vorstellen für eine gezielte Diagnostik. Röntgen, Ultraschall oder weiterführende Bildgebung können nötig sein, um Ursache und Ausmaß zu klären.Manchmal reicht es auch aus wenn du beim der Physiotherapeutin vorstellig wirst. Ein gutes Netzwerk zahlt sich auf jeden Fall aus. Vielleicht braucht es auch mehr als nur die Haustierärztin und du solltest geleich zum Orthopäden gehen. Was würdest du tun wenn es dich im Rücken zwackt?
Ein individuelles Schmerzkonzept entwickeln. Das kann medikamentöse Therapie, Physiotherapie, osteopathische Behandlung, Akupunktur oder Nahrungsergänzung beinhalten.
Maßnahmen zuhause begleiten. Viele Anwendungen können nach Anleitung vom Hundephysiotherapeuten zuhause angewendet werden, etwa Massagen, Wärmebehandlung, gezielte Übungen oder Wickel.
Wichtig: Schmerzmittel sollten immer in Absprache mit dem Tierarzt gegeben werden. Selbstmedikation ist riskant, weil verschiedene Schmerzmittel Nebenwirkungen haben können und nicht für jeden Hund geeignet sind.