NONVERBALE KOMMUNIKATION - geht das überhaupt?

Immer wieder hört man von Philosophien im Hundetraining die auf Nonverbaler Kommunikation beruhen. Da frage ich mich warum eigentlich.

Wir sind eben Menschen und Menschen reden. Der Hund lebt schon so lange mit uns zusammen, vermutlich wäre er abgewandert wenn wir nie mit ihm gesprochen hätten.
Warum sollte ich mich verstellen? Der Hund weiß das ich ein nonverbaler Legasteniker bin und meine Körpersprache gewöhnungsbedürftig ist. Er nimmt es gelassen und freut sich über jedes freundliche Wort, weil ich kann weder mit dem Schwänzchen wackeln oder meine Ohren anlegen bzw. aufstellen.

Ich bin nun mal eingeschränkt was die nonverbale Kommunikation angeht. Vermutlich halten die Hunde uns für körperlich behindert?!

Außerdem funktionieren meine Augen nicht so gut wie die des Hundes und ich kann seine Körpersprache oft erst in (mehrfach wiederholter) Zeitlupe erkennen. Meine Reaktionsfähigkeit ist extrem langsam und selbst wenn ich seine Art zu sprechen so schnell verstehen könnte, ich wäre zu langsam um zu antworten.
Wer sich ein bißchen intensiver mit der Körpersprache des Hundes auseinandergesetzt hat der weiß wie schnell und mit welch kleinen Gesten Hunde kommunizieren.

Man schaue sich einmal die verschiedensten Videos auf youtube zum Thema an, Menschen die sich, mit übertrieben Körperbewegungen, wahrhaftig zum Affen machen, weil sie versuchen mit körperlichen Hinweisen Ihren Hunden zu erklären was sie gerade von ihnen möchten.

Die armen Hunde, leben seit Jahrtausenden mit uns behinderten Menschen zusammen, vielleicht nur aus Mitleid? Ich frag mal bei der Krankenkasse an ob ich meine Hunde als Behindertenunterstützerhunde bezahlt bekomme?

Ich kommuniziere auch verbal mit meinen Hunden, weil ich bin ein Mensch, die Hunde wissen das.

Selbst wenn der Hund einfach nur "rumliegt" so beobachtet er ganz genau was wir tun. Fast alle Hunde haben dieses "Hobby".

ABER:
Trotzdem lesen Sie meine Körpersprache, denn diese verrät was ich gleich tun werde. Mein Körper redet ohnehin ständig. Auch ohne das ich das bewußt steuere.
Das sind dann die Momente in denen wir denken der Hund kann Gedanken lesen, vermutlich nein, es ist eher zu vermuten das der Hund die ersten kleinsten Körperbewegungen schon gesehen hat. Über die Jahre hat unser Hund gelernt uns sehr genau zu lesen, es könnte aber auch sein das er unsere Absicht bereits gerochen hat.
Oder er hat das erste Knarzen des Stuhls bereits gehört, weil ich mich minimal bewegt habe. Oder ich habe meine Atmung ein wenig beschleunigt was den Hund vermuten läßt das ich gleich aufstehe und Futter mache (weil ungefähr um diese Zeit gibt es immer Futter).
Alles wie in einer guten Ehe/Partnerschaft eben.

Der Hund bewegt sich in vielen Dingen auf weit höherem Niveau als wir selbst.
Er kann besser sehen, hören und vor allem riechen.
Also kommunizieren wir ohnehin nonverbal mit unseren Hunden, der Hund nimmt dies alles durch seine vielfach besseren Sinnesleistungen wahr.
Unsere Hunde müssen wirklich denken wir sind körperlich eingeschränkt.

Der Hund ist ein Bewegungsseher und sieht kleinste Bewegungen sehr schnell und auf große Distanz, unbewegte Objekte hingegen sieht er unscharf. Sein Sichtfeld liegt bei 270 Grad, das des Menschen nur bei 200 Grad.

Eben weil der Hund so gut ist mit seinen Sinnesleistungen merkt er auch wenn wir uns verstellen und wenn ein Mensch dauerhaft nicht verbal kommuniziert, dann verstellt er sich eben. Wieder zurück zu den Videos auf youtube, man schaue in die verkniffenen Gesichter, wie sehr es die Menschen anstrengt nicht zu sprechen. Bei einigen kommt noch nicht mal mehr ein Lächeln durch, wenn der Hund eine Übung gut gemacht hat. Und das wäre schon eine prima Belohung für den Hund.

Nur wer authentisch ist kann langfristig für den Hund ein Ansprechpartner sein, alles andere verwirrt unsere Fellfreunde.

Ich quassle zwar viel, aber nicht dauerhaft auf meine Hunde ein und ich achte auf eine freundliche Körpersprache meinerseits. Aber ich verstelle mich nicht.
So kann ich auf Spaziergängen ohne Probleme einige Zeit schweigend dahergehen und die Natur gemeinsam mit meinen Hunden geniessen.
In Trainigseinheiten versuche ich nicht unnötig viel zu reden, denn das irritiert dann doch, aber im Alltag rede ich auch in ganzen Sätzen mit den Hunde.
"Geh mal bitte zur Seite"
"Mach mal Platz, ich will auch noch auf´s Sofa" (Oh Gott, ja meine Hunde liegen auf der Couch).
Viele Dinge kündige ich auch verbal an, denn das gibt den Hunden Sicherheit.
"Geschirr anziehen"
"Pfoten abputzen" (auch nicht immer, denn sie wissen, wenn sie dreckig sind und ich das Handtuch hole das jetzt die Füsse abgeputzt werden)
"hochheben" etc............................

Also redet mit Euren Hunde, wie es Euch gefällt - denn Sie wissen ihr seid auch nur Menschen.

Der Hund kann dreidimensional riechen, Geruchsquellen können sehr genau geortet werden. 200 Millionen Riechzellen, wir haben lediglich 5 Millionen. 10 % des Hundegehirn stehen zur Geruchsverarbeitung zur Verfügung.

Wer mehr über die Nasenleistung seines Hundes erfahren möchte der ist HIER genau richtig!